Montag, 6. Juli 2015

Fragen eines Vaters an sein groß gewordenes Kind


Du wirst mich vergessen.
 Ja. Jeden Tag.

Fragen eines Vaters
an sein groß gewordenes Kind

Habe ich in dunkler Nacht
den Arm um dich gelegt,
die fieberheiße Stirn gekühlt
und dich gesundgepflegt?

Hab ich dir Lieder beigebracht,
die bis heute in dir klingen,
und Lust, sie dann und wann und auch
am Sterbebett mit mir zu singen?

Hab ich dir meinen Stolz gezeigt
und meine Freude über dich?
Und geduldig zugehört,
wenn ein Zweifel dich  beschlich?

Hab ich dich schließlich gehen lassen,
weg von mir, woanders hin,
und sehen können, was du bist:
Mein Kind – und doch so anders, als ich bin?

Je mehr ich schreibe, spüre ich:
Ich will die Antworten nicht wissen.
Es reicht, dass du erwachsen bist.
Erlaube mir, dich zu vermissen.

© Ernst T. Mader

Dienstag, 30. Dezember 2014

Heimkehr in den Krieg (1914)


Allgäuer erfahren 1914 als Pilger in Palästina vom Kriegsbeginn in Europa
© Ernst T. Mader

Am 28. Juni 1914 werden der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajewo von dem Serben Princip erschossen. Europa bebt. Doch weichen Entsetzen und Kriegsfurcht auch im Allgäu bald dem Gefühl, bis auf eine Strafaktion Österreichs gegen Serbien werde militärisch weiter nichts passieren, und so beginnen am 16. Juli Gläubige aus dem gesamten Allgäu mit dem „Bayerischen Pilgerverein vom Heiligen Lande“ ihre lange geplante Wallfahrt nach Palästina, „sorglos“, wie der Blöcktacher Pfarrer als Teilnehmer notiert.
Über Salzburg und Villach bringt sie der Zug ins noch österreichische Triest, wo wie überall im Land Schaufenster ein Bild des Erzherzogs mit Trauerflor zeigen, was die Gegenwart bedrohlicher macht als daheim. Die fünftägige Fahrt über das Mittelmeer wirkt beruhigend , weil jedes kreuzende Schiff friedlich salutiert, und den letzten trüben Gedanken vertreibt der erste Kontakt mit dem Boden, auf dem die christliche Geschichte begann. Ende Juli betet die Gruppe nach Stationen in Nazareth, Jerusalem und Bethlehem in Bethanien, wo im Johannesevangelium Jesus den toten Lazarus wieder ins Leben holt (in den folgenden vier Jahren ein häufiges Thema in Predigten). Dort hören die Allgäuer mit einiger Verspätung von der Kriegserklärung Österreichs an Serbien. Während sie daheim Freude auslöst, sorgt sie bei der Pilgergruppe für „gemischte Gefühle“, die ins Bedrückende absinken, als in Jerusalem bald danach das Gerücht umgeht, „dass auch Deutschland auf dem Kriegsfuße stehe“. Mehr oder Genaues wissen die Wallfahrer an diesem 1. August nicht (tatsächlich hat Deutschland an diesem Tag Russland den Krieg erklärt). Im Allgäu besteigen derweil an allen Bahnhöfen Wehrpflichtige und Freiwillige beweint und bejubelt ihre Züge an die Front, und ein Extra-Blatt verkündet in dicken Lettern: „Das Volk steht auf – der Sturm bricht los.“ Die Palästinapilger aber leiden: „In Jerusalem erhielten wir nur die telegraphische Kunde, dass in Berlin eine fieberhafte Aufregung herrsche, Österreich bereits Belgrad beschieße. Und da erfasste uns verzehrendes Heimweh, eine dunkle Ahnung verschlang auf einmal die heilige Stimmung: O wären wir nur im bedrohten heimischen Lande, werden wir’s wohl noch einmal sehen?! – Am 2. August haben wir zwei Mitpilgerinnen mit großem Schmerz auf ,Sion‘ begraben, sie haben ihre Ruhe gefunden, sind aller Sorgen entledigt; aber wir? Unser Schiff, die Tirol, weilt bis 2. August in Alexandrien, an eine Abfahrt in Jaffa [heute ein Teil von Tel Aviv] ist vor 3. August nicht zu denken.“
Teil der bayerischen Pilgergruppe im Heiligen Land 1914. Repro: Mader

Dann muss es plötzlich ganz schnell gehen: Gleich nach ihrem Einlaufen in Jaffa erhält die Tirol telegrafisch den Befehl, sofort und unter Volldampf auf dem kürzesten Kurs nach Triest zu fahren; die Hektik auf dem Schiff erleben die Pilger zunächst als beängstigend, zumal ein französischer Kreuzer die ganze Zeit bedrohlich hinter ihnen bleibt. Bald aber überdeckt die Seekrankheit bei den meisten jede andere Sorge. Südlich von Kreta sichten einige Wallfahrer ein mutmaßlich feindliches Schiff, was einen Bauern aus Seeg, mittlerweile nur noch ein liegendes Elend, kalt lässt: „Und wenn der Teufel kommt, ist mir’s gleich.“ Im Allgäu hat man seit zwei Wochen nichts mehr von den Pilgern gehört, manche bezweifeln schon, ob sie jemals heil aus dem Kriegsgebiet Mittelmeer heimkommen. Dort schwimmt die Tirol aus Furcht vor Feinden ohne Licht durch die Nacht, in die hinaus ihre verängstigten Passagiere „vaterländische  und Heimatlieder“ singen, was zumindest für den Moment die tröstliche Illusion erlaubt, „als ob wir in süßestem Frieden dahinführen“. Erst die Passage der Straße von Otranto am Absatz des italienischen Stiefels bringt die ersehnte Beruhigung; die Adria gilt als sicher:„O, wie atmete da jedes Pilgerherz auf! Wären wir jetzt nur schon in der Heimat, oder wenigstens doch in Triest!“ Dort läuft die Tirol in der nächsten Nacht schließlich ein. Am Morgen hetzen alle in die Stadt, „haschen nach den neuesten Blättern: es sind italienische. Aber, was wir sehen und hören und lesen, genügt: Deutschland im Krieg mit Russland, Frankreich und England! Wir sind verloren, das ist unser aller Gedanke und dumpfe Resignation legt sich wie ein Panzer, den Atem benehmend auf das Gemüt!“
Den Fahrplan der Eisenbahn bestimmt inzwischen das Militär; ein Zug für Zivilisten nach Wien fährt nur noch alle drei Tage. Die beginnende Panik unter den Pilgern beendet die Nachricht, dass die bayerische Regierung für den nächsten Tag einen Sonderzug organisieren konnte. Er verlässt Triest am Sonntagmorgen (9. August) und kommt nach 44 Stunden und 72 Tunnel in München an. Jeden Tunnel bewachen Soldaten, jeden Gleisabschnitt begehen Kontrolleure, bevor der Zug ihn befahren darf, weil Österreich dort von Serben gelegte Sprengfallen befürchtet. Der Blöcktacher Pfarrer notiert: „Wir wissen eigentlich keinen Moment, wann unser Zug in die Luft fliegt: ein beneidenswertes Gefühl!“
Endlich im Allgäu, kurz vor dem ersehnten heimatlichen Dorf, bekommt er auf dem Weg vom Bahnhof in Kaufbeuren zur Postkutsche gleich die seit Tagen vom Staat gezielt geschürte Feind-Hysterie zu spüren; für sie lauern überall im Land Spione und Saboteure, vor allem französische, auf jede Chance, Deutschland zu schaden: „Mein bärtiges Aussehen, weißer Strohhut und Staubmantel erregten den berechtigten Verdacht einiger patriotischer Leute, die mit grimmiger Miene meiner Spur folgten, bis ich endlich ihren Irrtum aufklärte.“ Das Land, das die Pilger vor knapp vier Wochen im Frieden verlassen hatten, führte nun Krieg. #

Der Beitrag erschien am 6. August 2014 in der Allgäuer Zeitung.

Ein Augenzeuge des Attentats von Sarajewo


Ein Augenzeuge des Attentates von Sarajewo 1914 lebte nach 1945 in Kaufbeuren
© Ernst T. Mader

Ein Augenzeuge des Attentats von Sarajewo 1914 auf das österreichische Thronfolgerpaar Franz Ferdinand und seine Frau Sophie lebte nach 1945 in Kaufbeuren: Anton Pasler kam 1910 aus seiner sudetendeutschen Heimat als Beamter der österreichisch-ungarischen Militärpost nach Sarajewo. Am 28. Juni 1914 stand der Dreißigjährige vor dem Militärpostamt, einem eingeplanten Halt der erzherzoglichen Kolonne. Der Präsident der Militärpost, berichtet Pasler später einem Reporter des „Allgäuer“, begrüßte das Paar und überreichte ihm ein Telegramm der erzherzoglichen Kinder. Die Wagen fuhren weiter. Dann, so Pasler, erreichte ihn aus dem dritten Stock des Postamts die Meldung, eine Bombe sei auf das Habsburger-Auto geworfen worden. Er lief zur allgemein bekannten Fahrtroute, die der Chauffeur des Thronfolgers trotz des Attentatsversuchs irrtümlich beibehielt und auf der die Kolonne – nach einem kurzen Empfang im Rathaus - bald vorbeikam. Offensichtlich war der hohe Besuch unverletzt (dass die Bombe andere zum Teil schwer verwundet hatte, wusste Pasler zu diesem Zeitpunkt nicht). Pasler sieht, wie das Auto mit dem Thronfolgerpaar kurz hält: „Ich stand etwa vierzig Meter davon entfernt und sah selbst, wie der Attentäter Princip vom Gehsteig neben dem Auto aus seine zwei Schüsse abgab. Er traf den Erzherzog in die Halsschlagader und die Erzherzogin in die rechte Seite des Leibes. Als der Wagen schon auf die Brücke (Lateinerbrücke) einfuhr, sank der Kopf des Erzherzogs nach hinten, der Generalshut fiel in den Wagen.“ Vom Chauffeur will Anton Pasler später die letzten Worte Franz Ferdinands erfahren haben. Sie galten seiner Frau: „Du musst für unsere Kinder weiterleben.“ Minuten danach war das Paar tot.
Kurz darauf, so Pasler, habe ein Unbekannter bei einem Kollegen ein Telegramm an einen serbischen Major in Belgrad aufgegeben: „Beide Pferde gut verkauft.“ Das Telegramm ist verbürgt.
Tags darauf seien serbische Geschäfte in Sarajewo, wo nach der Erinnerung des ungebrochen habsburgtreuen Pensionisten viele Völker bis dahin „ausgezeichnet“ zusammengelebt hatten, „der Volkswut preisgegeben worden“.
Anton Pasler blieb noch bis 1921 als Postbeamter in Sarajewo, seit 1918 Teil des Königreiches Jugoslawien. Dann ging er in das nun tschechische Sudetenland zurück. Nach dem zweiten Weltkrieg lebte er bei Schwiegersohn und Tochter in Kaufbeuren.
PS: Von 1918 bis 1995 war die vormalige und heutige Lateinerbrücke in Sarajewo nach dem Attentäter Gavrilo Princip benannt, der am 28. April 1918 als Häftling in Theresienstadt (Tschechien, 1941 bis 1945 Ghetto und KZ) starb.
Auf dieser alten Ansicht von Sarajewo markierte Anton Pasler vor 50 Jahren einige beim Attentat von 1914 wichtige Stellen; Pfeil 2 (über der damaligen Lateinerbrücke) zeigt auf die Straße, in der das österreichische Thronfolgerpaar erschossen wurde. Die Tat sollte Bosnien-Herzegowina von der österreichisch-ungarischen Besatzung befreien.
Repro: Mader



Der Beitrag erschien am 30. Juni 2014 in der Allgäuer Zeitung.

„Geh nicht dies Grab vorbey“ (Christian Jakob Wagenseil)


© Ernst T. Mader
Vor 175 Jahren starb Christian Jakob Wagenseil, der wichtigste Volksaufklärer Schwabens.

Foto: Stadtmuseum Kaufbeuren 
Repro: Mader
Zeitgenossen neigen dazu, ihre Gegenwart für etwas Besonderes zu halten. Manchmal zu Recht, oft zu Unrecht. Wer zum Beispiel glaubt, die kulturelle Vielfalt in Deutschland mit ihren Konflikten in Schulen und auf Straßen sei ein typisch modernes  Phänomen, blendet die mitunter blutigen multikulturellen Kämpfe der Vergangenheit aus, ausgefochten von Menschen gleicher Sprache, aber verschiedener Konfession oder Religion: Christen gegen Juden, Katholiken gegen Protestanten, Bibelgläubige gegen Darwinisten und so fort.  Noch nach dem zweiten Weltkrieg gehörte zum Beispiel das öffentliche Naserümpfen über Fronleichnam zum guten evangelischen Ton und seine demonstrative Feier zu den katholischen Kampfmitteln.
Viel getan für ein auskömmliches Miteinander der Kulturen und Konfessionen sowie ein freies Denken hat in Schwaben der 1756 in Kaufbeuren geborene Christian Jakob Wagenseil. Seine Studienzeit in Göttingen (Jura) und anschließende Reisen brachten ihm Kontakte unter anderem mit Goethe, Claudius und Klopstock. In öffentlichen Ämtern in Kaufbeuren, Kempten und Augsburg, als Autor, Herausgeber und Theaterreformer arbeitete er mit seiner im Norden gewonnenen aufgeklärten Weltsicht und wurde so zum wichtigsten Volksaufklärer Schwabens, ideell wie praktisch: In Kaufbeuren versuchte er zum Beispiel Verarmte über eine „Beschäftigungsanstalt“ wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern oder durch den Bau von Leichenhäusern und die Förderung der Blatternimpfung das Gesundheitswesen zu verbessern. In dieses Konzept passte auch, dass der Stadtrat 1783 seine Bürger aufforderte, endlich die Misthaufen vor den Häusern zu entfernen, wenigstens an den Hauptstraßen.
1780 regte Wagenseil die erste Leihbibliothek am Ort an und somit eine der ersten in Bayern, was ihm trotz spärlichen Zulaufs den offenen Hass katholischer Kreise einbrachte. Versöhnend wirkte hingegen seine Neuorganisation wöchentlicher Konzerte, weil sie die Kontakte zwischen den Konfessionen förderten. Schließlich gründete er 1786 die Freimaurerloge „Charlotte zu den drei Sternen“, die er allerdings drei Jahre später auf Weisung des städtischen Magistrats verlassen musste, in dessen Dienst er stand.
Von dem hochproduktiven und zu Lebzeiten umkämpften Schriftsteller erschienen 71 selbständige Titel im Druck, darunter Ritterballaden, Reden, Fabeln, Kantaten, Lieder, Gebete, Dramen und ein Roman. Deutlich spürbar ist die bewusste Volkstümlichkeit, seine pädagogisch-aufklärerische Haltung, das heißt der Versuch, Dichtung und Wissen breiten Schichten nahezubringen. Dies erhoffte sich Wagenseil unter anderem von seinen 20 Zeitungen, Zeitschriften und Almanachen, die er mit schwäbischem Eifer herausgab und meist allein als Autor füllte. Vor allem sein „Gemeinnüziges Wochenblatt für Bürger ohne Unterschied des Standes und der Religion, besonders in Schwaben“ zeigt Wagenseils Ziel, das er schon in der Nummer 1 begründete: „Aufklärung des Verstandes und Veredelung des Herzens.“
Dieses Programm fand sein Publikum nicht nur in Schwaben, sondern auch in München, Wien oder Berlin, und Wagenseil versorgte es im „Wochenblatt“ mit dem, was er dafür nötig hielt: Argumente gegen Jesuiten und Aberglauben, Hinweise auf praktische Neuerungen wie den Blitzableiter sowie belletristische Literatur, weswegen jede Ausgabe ein Gedicht, eine Fabel oder ein längeres Werk in Auszügen brachte.  Wohl wirken Wagenseils Schriften bisweilen wie die Kante vom Brot der Aufklärung: nahrhaft, aber trocken und hart, und sie entfalten ihren Geschmack mitunter erst nach langem Kauen; manches ist mehr Park als Landschaft. Doch bleibt bemerkenswert die Weite seiner geistigen Welt: Zu ihr gehörte der unprotestantische öffentliche Respekt vor dem katholischen Fronleichnamstag (für Luther das „schädlichste aller Feste“) ebenso wie der jüdische Philosoph Moses Mendelssohn (Lessings „Nathan der Weise“), nach dessen Tod 1786 er schrieb:
Geh nicht dies Grab vorbey, weils leicht sich fügt,
Daß ohne Dank du dich nicht wirst entfernen.
Du kannst beym Grab, in dem der weise Moses liegt,
Mehr, als aus mancher Predigt lernen.
Diese Offenheit brachte dem Freimaurer Wagenseil bisweilen heftige Konflikte ein, Unterstützung blieb jedoch nicht aus. Zeitgenossen schrieben: „Wir hören, dass er [Wagenseil] in seiner Gegend gewaltig mit Exjesuiten zu kämpfen hat. Das bedauern wir, ermuntern ihn aber, sich von Dummheit und Bosheit nicht überwinden zu lassen, sondern immer zu dem edlen Zweck zu arbeiten, Weisheit und brauchbare Kenntnisse in Schwaben zu verbreiten.“ Und so Mauern zwischen Menschen abzubauen. Manch Trennendes ist auch dank ihm mittlerweile verschwunden. Kaufbeuren ehrt den Unermüdlichen mit einer Straße, auch das Stadttheater hätte sich dafür angeboten: Wagenseil, so rühmt ein Nachruf den 1839 vermutlich in Augsburg Verstorbenen, habe es verstanden, „das durch ungesittete Possenreißereien verdorbene Theater gänzlich umzuschaffen“. #

Der Beitrag erschien am 18. Juni 2014 in der Allgäuer Zeitung.

Klimawandel als Thema 1963


© Ernst T. Mader

Politik und Medien vermitteln den Eindruck, als sei die Debatte um den Klimawandel eine bestaunenswerte Leistung der heutigen Wissenschaft und Politik, während frühere Generationen dieses Menschheitsproblem gänzlich ignorierten. Ein Artikel im Allgäuer vom 22. Juni 1963 zeigt ein anderes Bild; er fragt: „Beeinflusst Kohlendioxyd unser Klima?“ und fasst einen Beitrag von Hans-Georg Matthäus zusammen, den dieser für die Beilage zur Wetterkarte des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Freien Universität Berlin verfasst hatte. Darin heißt es unter anderem:
„Es sind jetzt gerade 100 Jahre vergangen, dass man einen Einfluss des in der Luft befindlichen Kohlendoxyds auf das Klima vermutete. Als eigentlicher Begründer der Theorie der Klimaänderungen durch Kohlendioxyd muss jedoch G. S. [Guy Stewart] Callendar angesehen werden, der im Jahre 1938 eine grundlegende Arbeit veröffentlichte, in welcher er die Möglichkeit [!] diskutiert, dass der Kohlendioxyd-Gehalt der Luft durch die Wirkung industrieller Verbrennungsprozesse ständig zunimmt, was eine Verstärkung der ,Treibhauswirkung‘ der Atmosphäre und somit eine allmähliche Erhöhung der Mitteltemperatur der Erde zur Folge hätte.
Ein anderer Wissenschaftler, G. N. [Gilbert Norman] Plass, gelangte nach umfangreichen Berechnungen zu der Schlussfolgerung, dass die Erdmitteltemperatur unter Berücksichtigung einer mittleren Wolkenverteilung um 2,5 Grad C ansteigt bzw. sinkt, je nachdem die gegenwärtige Kohlendioxyd-Konzentration der Atmosphäre verdoppelt oder halbiert wird. Eine so verursachte Abnahme der Mitteltemperatur bedeutet einen erheblichen Einfluss auf das Klima, denn aus einem Abfall der Erdmitteltemperatur um 3 bis 4 Grad C könnte schon eine neue Eiszeit entstehen. Bei dieser Theorie geht man davon aus, dass der Kohlendioxyd-Gehalt der Atmosphäre in geologischer Vorzeit stark variiert haben muss, was einmal auf den Kohlendioxyd-Verlust durch Bildung neuer Kohlenlager zurückzuführen ist,  zum anderen auf eine Zunahme  der atmosphärischen Kohlendioxyd-Konzentration durch Prozesse wie Eruptionen heißer Quellen und Vulkanausbrüche. Die verschiedenen Änderungen des Kohlendioxyd-Gehalts der Luft müssten demnach verschiedene Epochen von Klimaschwankungen verursacht haben. Tatsächlich hat es ja auch mehrere Eiszeiten gegeben.
Durch industrielle Verbrennungsprozesse werden ungeheure Mengen von Kohlendioxyd in die Atmosphäre transportiert. Die gegenwärtigen Brennstoffvorräte der Erde werden in weniger als 1000 Jahren verbraucht sein. [1972 nannte der Club of Rome einen Zeitraum von nurmehr gut 100 Jahren.]  Ihre industrielle Verbrennung wird einen Kohlendioxyd-Betrag in die Atmosphäre befördern, der siebzehnmal größer als die gegenwärtig in der Atmosphäre enthaltenen Menge ist.  Da bei einem dauernden Steigen des atmosphärischen Kohlendioxyd-Gehalts von solch großem Ausmaß das Kohlendioxyd-Gleichgewicht nicht mehr aufrechterhalten werden kann, wird daraus ein ständiger Temperaturanstieg resultieren. Man schätzt, dass die industrielle Tätigkeit des Menschen die Mitteltemperatur der Erde um 1,1 Grad C je Jahrhundert erhöht. Betrachtet man den Kohlendioxyd-Gehalt der Luft während großer Zeiträume, kann man die Feststellung ableiten, dass der Mensch durch seine industrielle Tätigkeit ein umfangreiches geophysikalisches Experiment durchführt; innerhalb weniger Jahrhunderte wird der Atmosphäre der Kohlenstoff wieder zurückgeführt, der in einigen 100 Millionen von Jahren durch Bildung von Kohlenlagerstätten aus der Atmosphäre entnommen wurde.
Allerdings sind das nur mehr oder weniger Theorien, die keinesfalls von der gesamten Wissenschaft unterstützt werden. Aber die Frage, ob Kohlendioxyd unser Klima beeinflusst, ist doch so interessant, dass man sich ruhig einmal Gedanken darüber machen sollte.“

Eine Woche später erschien derselbe Artikel noch einmal – offenbar maß die Redaktion des Allgäuer dem Thema vor 50 Jahren enorme Bedeutung bei, das ansonsten nur einen winzigen Kreis von Wissenschaftlern beschäftigte. Am noch lange andauernden Desinteresse von Politik und Öffentlichkeit an der Problematik änderte das allerdings nichts. #

Der Beitrag erschien am 12. Dezember 2013  in der Allgäuer Zeitung.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Jubel um einen Jungen. John F. Kennedy in Deutschland, 23. bis 26. Juni 1963. Reaktionen in der Region



© Ernst T. Mader 

„Ich will ‘nen Cowboy als Mann“, sang am 15. Juni 1963 ein blondes Mädchen aus Dänemark in Baden-Baden. 30 Minuten später umarmte Marlene Dietrich die 16-jährige Gitte Haenning und gratulierte ihr zum Sieg bei den dritten deutschen Schlagerfestspielen. Acht Tage danach verließ ein Mann aus dem Land der Cowboys bei strahlendem Sommerwetter und mit müdem Gesicht sein Flugzeug nahe Köln, um anschließend Kanzler Konrad Adenauer sechs und seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard neun Sekunden lang die Hand zu drücken. Betont flüchtig begrüßte der Gast Hans Globke, Nazi-Jurist in Adenauers Diensten: John F. Kennedys erste Signale bei seinem Deutschlandbesuch. Anschließend beklatschten zehntausende den US- Präsidenten auf seiner Fahrt durch Köln und Bonn. (Es folgten Hanau, Frankfurt, Wiesbaden, und Berlin.) „Ich kenne die, ich kenne die, ich kenne diese Frau“ sangen sie ihm entgegen, Kennedy beantwortete das wortspielerische Karnevalslied mit dem Ruf: „Kölle Alaaf“- und doch blieben die meisten Rheinländer etwas reservierter als bei de Gaulles Besuch im September 1962. Bei meiner Mutter, einer Bäuerin im Allgäu, war es umgekehrt: „Schau, was die Miez und die Tante Rita für einen Präsidenten haben“, sagte sie mit der Zeitung in der Hand. „Unser Kanzler hat Falten.“ Die Miez und die Tante Rita waren ein paar Jahre davor mit amerikanischen Männern in die USA gegangen und dort geblieben. Und jetzt hatten sie einen solchen Präsidenten. Fair war das nicht, aber auch nicht zu  ändern. Hier Falten, dort Filmgesicht. „Wo der wohnt, gibt es Neger“, wusste einer in der Schule. „Die machen Aufstände“, erklärte der Lehrer, „überall brennt’s dort. Bei uns nicht.“ Bei uns gab es den faltigen Kanzler. Den fand er so gut wie mein Opa, Kennedy war nett, aber doch der Präsident eines lauten Landes und einer faktischen Besatzungsmacht.
Ansonsten war die Begeisterung groß, auch wenn Kennedy nicht persönlich erschien, sondern lediglich in der Presse sowie in den täglich drei Sondersendungen des Fernsehens vom 23. bis 26. Juni, die mangels eigenem Gerät nicht wenige in nachbarlicher Gemeinschaft sahen. Gegenüber der Augsburger Allgemeinen, die nach dem Staatsbesuch ausschließlich Frauen und Mädchen befragte, schwärmten die in der Schwabenmetropole Interviewten zumeist vom Präsidenten; ob Hausfrau oder Vertreterin, Buchhalterin oder Wirtin, Angestellte oder Arbeiterin, ob 15 oder 50, fast alle erklärten ihn zum Traummann: „Wenn ich mal heirate, so würde ich gern einen Mann haben wie den Kennedy“, seufzte eine Schülerin mit sehnsüchtigem Blick zum Himmel. „Kennedy finde ich wunderbar.“ - „Er sieht sehr gut aus und ist ja noch so herrlich jung.“ - „Er hat Mut und ich finde, man kann ihm alles glauben, was er sagt. Mit einem Wort, er ist einmalig.“ - „Ganz große Klasse. Ich möchte am liebsten den ganzen Tag vor dem Fernsehschirm sitzen und alles mit ansehen und hören, was er tut und sagt.“ - „Ich habe bis jetzt noch keinen Fehler an Kennedy entdeckt. Er ist für mich genau der Typ des modernen aufgeschlossenen Mannes.“

Spontane Zustimmung auch in anderen Regionen Schwabens: Josef Rid, Landrat von Kaufbeuren ließ seine Zeitung, den Allgäuer, wissen: „Ich finde es erfreulich, dass Kennedy nach Deutschland gekommen ist. Genauso erfreut höre und lese ich von dem Jubel um den Präsidenten. Ich glaube, dieser Europa-Besuch wird den Frieden in der Welt noch mehr festigen.  Und das ist wichtig auch für die kommunale Arbeit, die genau wie die weltpolitische auf lange Sicht betrieben werden muss.“ Walter Werz, Vorsitzender des Tänzelfestvereins in Kaufbeuren schloss sich an: „Ich freue mich, dass Kennedy überhaupt kam. Fast noch mehr freut es mich, dass der Präsident den Europäern so deutlich den Marsch geblasen hat.“
Ein Polizeiobermeister aus dem Ostallgäu wäre gern Teil der motorisierten Bodyguardtruppe gewesen, „fahrtechnisch“ habe er da bei der Wehrmacht alles Nötige gelernt. „Die Mitverantwortung für das Leben des Präsidenten hätte auch einen Anreiz bedeutet.“
Als „gewaltig bedeutungsvoll“ für die Welt schätzte ein kaufmännischer Angestellter den Kennedybesuch ein, versäumte deshalb kaum einen entsprechenden Beitrag im Fernsehen und merkte an, dass die Deutschen knapp 20 Jahre vorher dem eigenen Führer ebenso zugejubelt hätten wie jetzt dem US-Präsidenten, glaubte aber: „Er wird die Begeisterungsfähigkeit von früher und heute unterscheiden können.“ Vor allem sein Bekenntnis, er sei ein Berliner, wertete ein anderer aus der Region als wohltuenden Beweis für Kennedys Interesse an Deutschland. Und zufrieden zitierte der Leitartikler im Allgäuer, wie Kennedy die Deutschen einbezog in seine Vision für die Welt: „Wir sind verbündet in dem einzigen Krieg, den wir wünschen, dem Krieg gegen Armut, Hunger, Unwissenheit und Krankheit in unseren eigenen Ländern und in der ganzen Welt.“ Fünf Monate später war dieser Präsident tot, erschossen in jenem Lincoln Continental, in dem er im Sommer durch Deutschland gefahren war.

Karikatur aus der Augsburger Allgemeinen vom 28. Juni 1963
Eine gekürzte Fassung des Artikels erschien am 26. Juni 2013 in der Allgäuer Zeitung.

Eine Welt aus den Fugen. Reaktionen in Bayerisch-Schwaben auf das Kennedy-Attentat 1963


© Ernst T. Mader

Augsburg, Freitag, 22. November 1963. Um 21 Uhr bricht die örtliche SPD ihre Delegiertenversammlung in der Gaststätte „Lerchenkrug“ (Bärenkeller) ab; zur selben Zeit endet das Eishockeyspiel am Schleifgraben im heutigen Curt-Frenzel-Stadion vorzeitig. Hier wie dort hat man soeben erfahren, was seit kurzem in der Redaktion der Augsburger Allgemeinen nach stummem Entsetzen für konzentrierte Hektik sorgt: „Attentat auf Kennedy!“ steht auf einem Papierstreifen aus dem Fernschreiber - eine sogenannte Blitzmeldung der US-Nachrichtenagentur UPI. Bald ergänzt die Deutsche Presse-Agentur, der Präsident sei in Dallas, Texas nach zwei Schüssen auf ihn „blutend zusammengebrochen“ und, bereits von Geistlichen begleitet, in einem Krankenhaus. Nach etwa einer halben Stunde folgt die Nachricht vom Tod John F. Kennedys. Bevor Rundfunk und Fernsehen darüber informieren, können Passanten die „Hiobsbotschaft“ im Telegrammkasten der Zeitung in der Ludwigstraße 2 lesen – zum letzten Mal bei einem welthistorischen Ereignis ist in Deutschland die Presse schneller als die elektronischen Medien.
Minuten nach dem „Weltunglück“ erlebt der Lokalreporter in Augsburger Gaststätten „Bestürzung, Zweifel, Ungläubigkeit. Sie halten bald jeden, der die Nachricht weitergibt, für einen Narren im ersten Augenblick. Aber dann beginnen sie langsam zu begreifen. Manche glauben es einfach nicht. Einige schnappen die Nachricht auf, wie einen schlechten Witz.  Hinterher sind sie umso erschütterter. Da und dort Tränen.“ Als erster Politiker in Augsburg würdigt Hans Kramer, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, auf dessen eingangs erwähnter Versammlung den ermordeten Präsidenten.
Über ihren eigenen Rundfunksender AFN (American Forces Network) beordert die 24. US-Infanterie-Division ihre Soldaten zurück in die Augsburger Kasernen. Gegen 23.30 Uhr lässt sie die Zeitung auf deren Anfrage hin wissen: „Kein Grund zur Beunruhigung.“
Der bayerische Innenminister ordnet noch in der Nacht ein dreitägiges Verbot aller Veranstaltungen mit vergnüglichem bzw. unterhaltendem Charakter an (wozu Sport bis heute nicht zählt). Und so vermeldet die Lokalpresse „beinahe Grabesstille am Samstagabend in der Innenstadt“ sowie Gedenkminuten bei Fußballspielen, Eislaufen ohne Musik und „überall in der Öffentlichkeit tiefe Niedergeschlagenheit“.
Ab Montag liegen im Rathaus Kondolenzlisten aus, in die sich bis zum folgenden Freitagabend etwa 22.000 Menschen eintragen. Der Stadtrat beantragt einstimmig, den Platz vor dem Theater nach Kennedy zu benennen. Zeitgleich zur Beisetzung Kennedys ziehen an diesem 25. November in einem Fackelzug vor allem Schüler und Studenten schweigend durch die Innenstadt zu einer Gedenkfeier vor dem Rathaus, bei der unter anderem US-Divisionskommandeur W. A. Cunningham und Oberbürgermeister Klaus Müller zu 2500 bis 3000 still Versammelten sprechen.
Während laut US-Medien in Texas „einige Schulkinder auf die Nachricht von der Ermordung des amerikanischen Präsidenten hin in lauten Jubel ausgebrochen seien“, hatten am Wochenende in München die Gäste bei der Neueröffnung des Nationaltheaters (18 Jahre nach dem Krieg) die Feier mit einer stillen Ehrung Kennedys begonnen, Schulen in Bayern ministeriell angeordnete Gedenkminuten eingelegt und das Attentat diskutiert, Gläubige in Gottesdiensten des Ermordeten gedacht.
Zeitzeugen im Allgäu erinnern sich noch an das überlange, 15-minütige Zwölf-Uhr-Läuten am Sonntag nach dem Attentat, das Der Allgäuer unter anderem so kommentierte: „Diese unsere Welt, von der man so leichthin sagt, nichts mehr vermöge sie wahrhaft zu erschüttern, ist aus den Fugen. Nur in die Kategorie des Unfassbaren vermag man dieses welthistorische, weltaufwühlende Ereignis einzuordnen.“ Das empfand wohl auch der Großteil seiner Leserschaft so; die Kemptener zum Beispiel reagierten auf den gewaltsamen Tod Kennedys „mit großer Bestürzung“ und „tief erschüttert“. Ältere meinten, so habe schon mal ein Weltkrieg begonnen, und erzählten von ihrem Erschrecken, als 1914 der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo erschossen wurde (was 1963 weniger lang zurücklag als heute das Attentat auf Kennedy). Jetzt beherrschte die schreckliche Nachricht aus Texas Gespräche daheim, in Geschäften und Gaststätten und in Kempten auch auf dem traditionellen Kathreinenmarkt, dem das staatliche Verbot öffentlicher Vergnügungen an den ersten Tagen seine Hauptattraktion nahm: Die mitunter schimpfenden Schausteller auf dem Königsplatz mussten ihre Schaukeln und Karusselle, Autoscooter und Achterbahnen sowie Musikboxen ruhen lassen.
Vom Besuch des übrigen Marktes hielt Kennedys Tod allerdings kaum jemanden ab: Bei herrlichem Wetter drängelten sich am Sonntag mehr Leute zwischen Hosenträgern und Haushaltwaren als in den letzten fünf Jahren, doch registrierte der Reporter des Allgäuer „allenthalben eine gedrückte Stimmung, die das ganze Getümmel gedämpfter erscheinen ließ“; Marktschreier blieben ruhig, Lautsprecher stumm, was sich auch am Montag nicht ändert; lediglich „an einem einzigen Spielwarenstand lässt eine Verkäuferin ganz leis und werbend eine Flöte aufpiepsen“, und ein paar Buben „schaukeln stumm in den stillstehenden Gondeln der Berg- und Tal-Bahn.“ Ein Händler erzählte: „Wir hören hier manches, was die Leute vielleicht nicht offen sagen möchten. Zumal am Sonntag drehten sich die Gespräche immer wieder um den Tod des Präsidenten; wir hörten von Sorgen, die sich die Menschen um die Zukunft machen.“
Dem Belustigungsverbot des Innenministers mussten auch Kinobetreiber folgen, den Tagen der Trauer und des Totengedenkens nicht angemessene Filme vom Programm verschwinden, weswegen zum Beispiel das Bürgertheater in Kempten während des Kathreinenmarktes statt der Komödie „Auf Freiersfüßen“ den „Würger von Schloss Blackmoor“ zeigte. In derselben Woche ehrte der SPD-Ortsverein Dietmannsried Kennedy mit einer Gedenkfeier, und auch eine CSU-Versammlung in Betzigau würdigte den Toten.
Dann durfte es wieder heiter zugehen: Eine Woche nach dem Attentat gab es im Kemptener Stadttheater „Die Fledermaus“, zwei Tage später spielte die Theatergruppe des Sportvereins im nahen Heiligkreuz die Komödie „Der Sündenfall“, und Schausteller auf dem Königsplatz der Allgäumetropole versuchten mit Drehorgeln und Schallplatten Publikum auf den Kathreinenmarkt zu locken, um nach der verordneten Trauerpause noch einmal gute Geschäfte zu machen.
Die Zeitung stützte die aufgehellte Stimmung durch einen hoffnungsvollen Kommentar zur vermutlichen Politik von Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson: „Was Kennedy begann, will Johnson, nach seinen eigenen Worten, fortführen. Johnson hat die welthistorische Rolle, die ihm ein furchtbares Geschick übertrug, vorbehaltlos angenommen.“ Unter anderem eskalierte er den von Kennedy begonnenen Krieg in Vietnam.



Eine gekürzte Fassung des Artikels erschien 
am 22. November 2013 in der Augsburger Allgemeinen

Dienstag, 26. März 2013

Fast eine Rückkehr. Eine Dorfgeschichte (Blöcktach)


Nach etwa 700 Jahren kommt der Bach im Allgäuer Blöcktach wieder ins Tal. Ein Mosaik
© Ernst T. Mader

Ortsnamen in Blöcktachs Umgebung laden zur Deutung ein: Eggenthal im Norden, da fällt das Eck im Tal spätestens dann auf, wenn man die Kurve am Dorfrand zu lässig nimmt; Friesenried im Süden: Hier rodeten Friesen, möchte man glauben, auch wenn die Heimatkunde einen Friedrich annimmt. Aber dazwischen: Blöcktach. Liebliches lässt sich dem Namen nicht abgewinnen; auch sein bloßes Hauchen kommt um die harte Mitte und den kehligen Schluss nicht herum. Das Alemannische bleibt hörbar,  und tatsächlich kennen die sprachlich nahen Schweizer noch heute die „Blackten“, eine Ampferart, die sie in manchen Regionen bis vor knapp 100 Jahren zu Sauerkraut vergoren und noch nach dem zweiten Weltkrieg als Schweinefutter nutzten.
Am heute durch Blöcktach fließenden Mühlbach müssen diese Blackten vor Jahrhunderten so gewuchert haben, dass sie sich als Namensgeber für die älteste bisher bekannte Siedlung im Allgäu aufdrängten: die Behausungen am Blacktenbach, was sich allmählich und auf Umwegen zu Blöcktach verkürzte. Ihre Verwandten nervten später als sogenannte Krottenstengel viele Bauern, weil sie auf den Wiesen das Gras verdrängten, den Kühen aber nicht schmeckten.
Der Bach bedeutete Energie; um sie zu nutzen, ließen ihn vermutlich die Ritter von Schwarzenburg als Grundherren im Mittelalter aus dem Tal so an den nahen Hang verlegen, dass sein Gefälle ausreichte, eine Mühle zu betreiben und später mehrere. Sie pressten aus Leinsamen Öl, mahlten Gips und Getreide oder schnitten Holz; die erste Mühle klapperte wohl schon im 14. Jahrhundert, als letzte stellte 2010 das Sägewerk seinen Betrieb ein, das bis 1976 noch Strom für den Eigenbedarf erzeugt hatte – mit jenem Mühlbach, der nach etwa 700 Jahren und heftigem Streit ab 2013 wieder im Tal fließen wird und – anders als im Mittelalter - am Dorf vorbei, weil er so leichter und billiger zu pflegen ist als oben am Hang und im Verbund mit einem Damm auch nach starkem Regen keine Keller und Wohnzimmer mehr fluten oder andere Schäden anrichten kann. Ein Lauf nach der Natur, also durch die tiefsten Stellen im Ort, hätte nicht wenigen besser gefallen. Kosten und Zeitdruck verhinderten ihn. Ökonomisch wird den Bach niemand vermissen, aber fehlen wird er manchen. Er plätschert dann vor keinem einzigen Haus mehr, fließt unbeachtet und zum Teil verrohrt, aber eben auch handsam dahin. Nicht nur Kindern bleibt das „Paradies“ an einem seiner Zuflüsschen. Dass man ungefähr dem Mühlbach folgen muss, um dorthin zu kommen, wissen auch manche Auswärtige.
Die Idylle gibt nicht preis, welche Zeiten er durchflossen hat. Die grausamste war der Dreißigjährige Krieg; Pest und Schweden löschten das Dorf nahezu aus; es erholte sich, bis Napoleons Soldaten kamen. Seit dem frühen 19. Jahrhundert hatte Blöcktach dann beständig knapp über 300 Einwohner – was darüber hinausging, rafften regelmäßig Kriege hinweg oder zog mangels Arbeitsplätzen in die Stadt; um 1945 trieben Kriegsfolgen die Einwohnerzahl in die Höhe, das Dorf musste Evakuierte aufnehmen, und es kamen immer mehr zunächst Fremde: 1950 lebten in Blöcktach 458 Personen, 40 Prozent davon Flüchtlinge und Vertriebene, bald danach waren es wieder deutlich weniger. Anfang der 1970er Jahre sorgte dann ein findiger und verschlagener Makler für eine Osterweiterung und 100 weitere Bewohner. Im Moment (Mitte 2012) sind es 445, und abweichend von der deutschen und weltweiten Normalität ist mehr als die Hälfte männlich, was unter anderem gut ist für die Feuerwehr und den oberen Wirt („Sonne“), den viele noch so nennen, obwohl es den unteren schon lange nicht mehr gibt. An seinem Stammtisch sind auch seltenere Gäste willkommen, und wenn sie Glück haben, können sie eine Geschichte hören wie jene von Helli, der 1994 ebendort wegen einer Wette vor laufender Kamera in 15 Minuten 62 Brätknödel verschlang und dann als Gewinner aufrecht heimging. Oder von Siegfried, dem letzten Müller im Ort, der 2001 den wochenlangen „Schlaumeier“-Wettbewerb der „Allgäuer Zeitung“ als Bester beendete.
Die „Sonne“ führt eine respektable Tradition weiter: Seit mindestens 400 Jahren steht dort ein Haus, 1827 baute ein Vorgänger neu, der dann bald eine Schanklizenz bekam. Ihm kaufte der Urgroßvater des heutigen Wirts das Anwesen ab, zu dem lange Zeit auch eine Metzgerei und eine Landwirtschaft gehörten. 2005 brannte die Wirtschaft ab, anderthalb Jahre später konnte sie wieder eröffnen.

Die Mutter des Wirts erinnert sich noch an die vielen verschwundenen Gewerbler im kleinen Dorf, 18 waren es 1950, darunter vier Lebensmittelgeschäfte; sie haben nicht überlebt, nicht die Schneiderin, nicht der Schuster, nicht der Bäcker. Dafür vernetzen jetzt Leute Computer, reparieren Autos oder betreiben Spielautomaten – 27 Gewerbe sind angemeldet.
Nach den alten Kleinbetrieben verschwanden zunehmend auch die Bauern: 43 gab es 1950, bei insgesamt 60 Anwesen, manche mit einem weiteren Gewerbe wie Metzgern oder Holzhandel; heute sind es noch zwölf, es gehen mehr Blöcktacher ins Büro als zum Melken. Geblieben sind neben Motorradclub und Kirchenchor der Schützenverein und die Blasmusik, die in der „Alten Schule“ schießen und proben können, weil seit 1985 alle Schüler nach Friesenried oder sonstwohin müssen.  

Der frühere Blacktenbach wird auch am Friedhof nicht mehr vorbeifließen; er ist der auffälligste Teil des örtlichen Gedächtnisses. Hier liegen zwischen Bauern und Arbeiterinnen, aus dem Böhmerwald Vertriebenen und im Dorf Geborenen eine im Dritten Reich Zwangssterilisierte, die Asche einer in der Gaskammer Ermordeten und eine 1906 am Ortsrand Umgebrachte. Die Bestialität dieser Tat erschütterte im Unterschied zum Tod der 1941 „Euthanasierten“ die ganze Region, zumal das Opfer die Mutter des Blöcktacher Pfarrers war und der Täter lange Zeit nicht gefasst wurde. Nur weil er sich in Panik nach zwei Monaten selbst verriet, konnte die Polizei den Friesenrieder verhaften.  

Auch die verstörendste Geschichte vom Leben und Sterben in Blöcktach endete auf diesem Friedhof:
Ein aus dem damaligen Königreich Württemberg zugezogenes evangelisches Paar, das auf der sogenannten Haid oberhalb von Blöcktach Schafe hielt und züchtete, bekam zwischen 1893 und 1906 zehn Kinder; fünf wurden höchstens sieben Tage alt, vier nicht älter als zehn Wochen – das zehnte ließen die Eltern in ihrer Verzweiflung katholisch taufen; das Mädchen blieb – Rhesusfaktor hin, Psychologie her – am Leben, heiratete mit 17, bekam gesunde Kinder und Enkel und starb mit knapp 84 Jahren.
PS: Vor einigen Jahren gab es im Dorf kurze Zeit das Gerücht, neben der Kirche wolle jemand eine Espressobar eröffnen. Die Bar gibt es bis heute nicht. Aber immerhin heißen die Blackten im Rätoromanischen Lavazza.

Kleiner Wasserfall hinter der Mühle in Blöcktach - bald Vergangenheit.
Nach Jahrhunderten verliert der Bach jetzt sein Gefälle, 

er kommt wieder ins Tal.

Eine gekürzte Fassung des Artikels erschien 

am 20. November 2012 in der Allgäuer Zeitung.





Sonntag, 2. Oktober 2011

Mord in Blöcktach

Am 11. September 1906 geschah im Allgäu ein Verbrechen, das ganz Schwaben erschütterte - und auch bei Ludwig Thoma vorkommt.

Den gehetzt von Blöcktach nach Friesenried strampelnden Radler konnte der Fahrer aus seinem Postomnibus heraus wegen der einsetzenden Dämmerung nicht erkennen, am nächsten Tag, am 12. September, erfuhr er, dass er vermutlich einen Mörder gesehen hatte. Gegen sechs Uhr morgens entdeckte ein Maurer etwa 300 Meter außerhalb von Blöcktach neben der Straße ins knapp zwei Kilometer entfernte Friesenried die Leiche einer Frau, „fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die untere Hälfte des Gesichts war mit Blut und Staub bedeckt, der Unterleib weit aufgeschnitten, am Oberschenkel fehlte ein Stück Fleisch, das der Mörder mitgenommen zu haben scheint.“ Zwei Stunden später wurde sie als Balbina Kögel identifiziert, die 63-jährige Mutter des Blöcktacher Pfarrers. 
Anfang eines Artikels aus dem „Kaufbeurer Anzeigeblatt“ 
vom 12. September 1906

Was das „Kaufbeurer Anzeigeblatt“ nicht schrieb, ergänzte der Pathologe, Medizinalrat Riegel aus Kempten, später vor dem Schwurgericht Augsburg: Balbina Kögel war erstickt, weil das Blut aus zwei Schnitten im Hals, „beginnend am rechten Ohrläppchen fast bis zur anderen Halsseite“, in Luftröhre und Lunge geflossen war.
Balbina Kögel war mit dem Zug aus Holzheim (bei Rain am Lech), wo sie ihren zweiten Sohn, den dortigen Pfarrer besucht hatte, am frühen Abend in Kaufbeuren angekommen und auf ihrem Fußweg ins zwölf Kilometer entfernte Blöcktach kurz vor dem Pfarrhof, ihrem Zuhause, Opfer der „bestialischen Tat“ eines „Scheusals“ geworden. „Furcht und Schrecken“ in der Region spürte eine Lokalzeitung, übertroffen bei manchen nur noch von der Anteilnahme mit den Söhnen. Der Friesenrieder Pfarrer schrieb in seine Chronik:„ Ich habe niemals in meinem Leben einen Mann so herzerweichend weinen sehen, wie  den sonst ziemlich kalten priesterlichen Freund in Blöcktach, als ich ihm an diesem Tage Worte des Trostes zusprechen wollte. Und kaum eine Beerdigung habe ich gehalten, wo es über der ungeheuren Trauermenge so schwer lag, wie damals am Freitag, dem 14. Sept. 1906, bei derjenigen der guten Pfarrmutter von Blöcktach. Wer war der Täter, war jetzt die Frage.“
Schon unmittelbar nach der Tat fiel der Verdacht auf einen seit drei Wochen flüchtigen Patienten der Heilanstalt Kaufbeuren; Polizei und Feuerwehren von elf Gemeinden durchsuchten tagelang Hütten und Strohhaufen, Felder und Wälder in ihrer Umgebung. Während der Beerdigung verhaftete die Polizei bei Obergünzburg einen „sehr verdächtigen Gauner“, zwei Tage später in Eggenthal einen Landstreicher; beide kamen bald als erwiesen unschuldig wieder frei. Auch ein von den Bezirksämtern Kaufbeuren und Markt Oberdorf angeordnetes sogenanntes „Kesseltreiben“ zwischen Blöcktach und Irsee von 900 Männern mit Schusswaffen, Heu- und Mistgabeln blieb erfolglos. Am 18. September veröffentlicht die Staatsanwaltschaft Kempten einen Steckbrief des entflohenen Patienten und bittet alle „um Spähe und Festnahme“. In einem Blöcktacher Wirtshaus gehen derweil die Verhöre von Zeugen und Verdächtigen weiter. Mitte Oktober verbreitet sich das Gerücht, die Polizei habe den Mörder; es sei ganz sicher ein Sohn des Sägers in Blöcktach. Doch die Ermittlungen bestätigen sein Alibi. Dringend verdächtig ist nun ein weiterer Landstreicher; auch er kann seine Unschuld beweisen. Als sich herausstellt, dass auch der von Anfang an gesuchte „Irrsinnige“ aus Kaufbeuren am 11. September weit vom Tatort entfernt im Zusamtal war, glauben die meisten, der Schuldige bleibe für immer unentdeckt, „die furchtbare Tat“ ungesühnt.
Zwei Monate nach seinem Verbrechen verriet er sich selbst: Am 8. November bat der im Gefängnis Stadelheim (bei München) wegen eines Fahrraddiebstahls einsitzende ledige Bäckergeselle Johann Lingg aus Friesenried seinen Mithäftling Franz Diepold, dessen Strafe am nächsten Tag endete, seiner (Linggs) Familie schriftlich eine Nachricht zukommen zu lassen: Er sei beunruhigt wegen der fortdauernden Suche nach Balbina Kögels Mörder; sein Bruder solle den Inhalt eines Koffers auf dem Dachboden vernichten, er könne Fremde auf falsche Gedanken bringen; seine Schwester solle bei einer eventuellen Befragung sagen, sie habe ihn am 11. September abends zur Post geschickt. Von sieben bis acht Uhr sei er dort gewesen und dann zuhause auf dem Sofa gelegen. Wenn alles erledigt sei, möge ihm der Vater einen Brief mit dem Kürzel O. D. (oder O. B.) schicken. Diepold spürte, dass hinter diesem Wunsch mehr stecken musste als der Wille, alte Sachen zu entsorgen oder möglichen falschen Verdächtigungen vorzubeugen. Warum er sein Misstrauen und das Gespräch mit Lingg bzw. Notizen davon der Polizei in Wolfratshausen mitteilte, hat er nie gesagt. Diese jedenfalls informierte Kollegen im Ostallgäu. Am 13. November, während das Dorf eine Nachhochzeit und den Veteranenjahrtag feierte, öffneten Gendarmen aus Aitrang und Kaufbeuren mit dem Friesenrieder Bürgermeister den Koffer und fanden dort ein Portemonnaie, eine Brosche (Halbmond) sowie ein blutiges Taschentuch mit dem Monogramm „B. K.“: Besitz der toten Balbina Kögel. Linggs geachtete Familie und viele in der Region sind entsetzt und fassungslos, „Scham, Zorn, aber auch Ruhe ergriff die Herzen“, notiert der Ortspfarrer.
Lingg gesteht nach kurzem Leugnen beim ersten Verhör am 24. November in Stadelheim. Am nächsten Tag beginnt er plump und durchschaubar planvoll, den Unzurechnungsfähigen zu simulieren, und klagt über Kopfweh und Wahnvorstellungen. Auch im Gefängnis in Kempten, wohin er bald verlegt wird, redet er wirr, behauptet, vom 11. September nichts mehr zu wissen, und kommt daher vom 26. Januar bis 9. März 1907 zur Untersuchung in die Heilanstalt Kaufbeuren. Laut ihrem Gutachten ist der Beschuldigte „zwar ein geistesschwacher und gemütsstumpfer Mensch, leidet aber nicht an krankhafter Störung des Geistes“.
Am 5. Juli 1907 verhandelt das Schwurgericht in Augsburg seinen Fall.
Anfang eines Artikels aus dem 
„Kaufbeurer Anzeigeblatt“ v. 6. Juli 1907

Ein Reporter im überfüllten Gerichtssaal - viele Neugierige hatten keinen Platz bekommen – sieht einen jungen, mittelgroßen Angeklagten, „gutgebaut …mit stark gelichtetem Haar und anscheinend etwas stumpfsinnigem Gesichtsausdruck“; Zeugen charakterisieren ihn als nicht besonders anhänglich in der Kindheit (Vater), später leicht erregbar, schwerfällig und etwas sonderbar (Kamerad beim Militär), diszipliniert und sehr weichherzig (Vorgesetzter beim Militär), unsicher-verschlossen (Lehrherr), heimtückisch (Bürgermeister), geistig schwach, aber gutmütig und harmlos (Lehrer).

Linggs Angaben sowie weitere Aussagen der 16 Zeugen und drei Sachverständigen im Vorfeld und Verlauf des Prozesses erhellen Biografie und Motiv des Beschuldigten, klären die Tat aber nicht vollständig: Der 1882 geborene Bauernsohn kommt als Schüler mit Eltern und sieben Geschwistern von Leuterschach (Ostallgäu) nach Friesenried; 1899 stirbt die Mutter, 1902 beendet er seine Bäckerlehre, vor und nach dem Militärdienst arbeitet er an verschiedenen Orten in Deutschland und der Schweiz. Als er im Sommer 1906 auf Bitten des Vaters heimkommt, um bei der Ernte zu helfen, hat er kaum Geld. Für die (angeblich) geplante Meisterprüfung oder Konditorenlehre braucht er aber einiges. Der Vater gibt ihm keines und darum bitten will er ihn nicht, um weiterhin als sparsam zu gelten. Am 2. September stiehlt er deshalb in Aitrang ein Fahrrad; sein aus der Schweiz mitgebrachtes will er am 11. September nach Feierabend im sechs Kilometer entfernten Eggenthal verkaufen. Auf dem Weg dahin sieht er vor Blöcktach eine Frau gehen und beschließt sofort, sie auszurauben. Was dann etwa um halb acht passierte, erzählte Lingg mehrmals in unterschiedlichen Versionen, keine konnte das Gericht ganz bestätigen oder widerlegen. Unstrittig sind Raub und Tötung, möglich bleiben eine Vergewaltigung oder eine sexuelle Leichenschändung. Dem Untersuchungsrichter und seinem ersten Verteidiger (er muss sich später vertreten lassen) liefert der Angeklagte folgende Geschichten:
Er packt die Frau am Arm, fordert Geld, sie wehrt sich, will wegrennen, Lingg sticht und schneidet ihr mit dem Taschenmesser in den Hals, nimmt ihre Schuhe, die Geldbörse mit 50 Pfennig, eine Brosche und ein Taschentuch. Ihr Schreien (oder Röcheln) versetzt ihn in Panik, und er tötet sie, um nicht entdeckt zu werden. Teile des Unterleibs und des rechten Oberschenkels schneidet er weg, „damit sie besser ausblüte“. Im Bach neben der Straße wäscht Lingg seine blutigen Hände und packt neben der Beute auch Fleischstücke ein, die er auf dem Heimweg wegwirft. Zuhause reinigt er sich und seine Kleidung und geht ins Bett.

Vor Gericht will Lingg sich so wenig erinnern wie seit Dezember : Er wollte die Frau ausrauben, sie nannte ihn beim Namen, und das habe ihn so verstört, dass er vom übrigen Abend nichts mehr wisse. Erst als am Tag danach alle über einen Mord sprachen, sei er sicher gewesen: Das war ich.

Gravierend anderes erzählte Lingg einem Pfleger in der Heilanstalt Kaufbeuren, was dieser dann als Hauptbelastungszeuge bei der Verhandlung weitergibt: Danach hat der Angeklagte sein Opfer sofort als die Mutter des Blöcktacher Pfarrers erkannt, bei ihr Geld vermutet und die Sterbende oder schon Tote nicht nur beraubt, sondern auch vergewaltigt. Weil er sich im Falle einer Entdeckung dafür mehr schämen würde als für Raub und Mord, verstümmelte er die Leiche, um Spuren zu tilgen. Er sei dabei „ganz kalt gewesen und hätte die Frau gleich ganz vermetzgen können“. Allerdings meint ein anderer Zeuge, dieser Pfleger übertreibe gerne, um sich wichtig zu machen. Tatsächlich hatte die Obduktion keine Hinweise auf ein Sexualdelikt ergeben.

Keine Rolle vor Gericht spielte jene Version, die der damalige Pfarrer von Friesenried überliefert; danach sah Lingg „eine Frau in Richtung Blöcktach gehen …, wollte dieselbe verfolgen. Er fuhr ihr mit dem Rade nach, und holte eine Frauensperson (aber nicht die er gesehen, die war schon in Blöcktach) … ein, überfiel sie, und als sie schrie und ihr Geld nicht hergeben wollte, schnitt er ihr den Hals durch mit einem einfachen Messer. Da der Postomnibus in der nun einsetzenden Nacht jeden Augenblick von Friesenried her vorbeikommen musste, fuhr er mit seinem Rade wieder heimwärts, ganz in der Nähe des Postillions vorbei, der ihn aber nicht erkannte und auch die Leiche nicht bemerkte. Nachdem der Mörder zu Hause seine jüngeren Geschwister zu Bett gebracht hatte, begab er sich wieder an den Ort seiner Bluttat, nahm seinem toten Opfer Geldtasche, Taschentuch und Schuhe, und verging sich noch an der Toten. Er schnitt ihr sogar die Geschlechtsteile aus, um sie mitzunehmen.“

Ab dem 12. September beteiligt sich Johann Lingg eifrig an der Suche nach dem Täter, Ende des Monats fährt er mit seinem Fahrrad und sechs bis acht Mark nach Augsburg, findet keine Arbeit, stiehlt dort am 8. Oktober ein weiteres Fahrrad, fährt damit nach Dachau, wird dort verhaftet, in München zu fünf Wochen Gefängnis verurteilt und nach Stadelheim verbracht, wo er sich schließlich verrät.
Sein Verbrechen gehört zu den spektakulärsten in Schwaben zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Allein vier Augsburger Tageszeitungen berichteten jeweils auf mehreren Seiten über den Prozess, der nicht mit dem erwarteten Todesurteil endete, sondern mit einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe.
Die Geschworenen folgten damit den Gutachtern, die Lingg zwar für verantwortlich, aber geistig beschränkt und affektgeleitet hielten, sowie der Verteidigung, nach der er „zwar mit Vorsatz, aber ohne Überlegung“ handelte.
Johann Lingg starb am 12. März 1919 in Kaisheim.

Auf dem Friedhof in Blöcktach erinnert eine Tafel an Balbina Kögel.

1922 erschien das "Stadelheimer Tagebuch" von Ludwig Thoma (1867-1921). Der hatte im dortigen Gefängnis am 16. Oktober 1906, wie die Münchner Neuesten Nachrichten am selben Tag noch meldeten, eine sechswöchige Haft angetreten, "welche ihm wegen Beleidigung von Vertretern der Sittlichkeitsvereine durch die Stuttgarter Strafkammer zuerkannt wurde."
Zum Samstag, 17. November 1906 schreibt Thoma: "Am Morgen starker Wind; in der Nacht hatte es geregnet. Als ich mit Hintermaier [Wachmann] in den Hof ging, winkte er mir im Parterregange und zeigte nach einer Zelle (Nummer 5). Im Hofe sagte er mir, da drinnen sitze der Bäckergeselle Johann Lingg, der die Pfarrermutter Kögel in Blöcktach ermordet habe. Er hat sich durch einen Brief selbst verraten. Hier sitzt er wegen Fahrraddiebstahls. Nachmittags ließ mich Hintermaier einen Blick in die Zelle werfen. Der Bursche saß aber mit dem Rücken gegen uns, und ich konnte sein Gesicht nicht sehen. Noch weiß er nicht, daß sein Brief in die Hände der Behörde gekommen ist."
Am nächsten Samstag: "Schönes Wetter; doch Nebel bis gegen Mittag. Der Bäckergeselle Lingg weiß nunmehr sein Schicksal. Er ist heute vernommen worden; den ganzen Tag."

© Ernst T. Mader, August 2011
Eine gekürzte Fassung erschien am 9. September 2011 in der Allgäuer Zeitung.

Dienstag, 3. Mai 2011

Tschernobyl 25

Als auch in Schwaben für kurze Zeit vieles anders war. 
Eine Erinnerung nach 25 Jahren

Anfang 1986 flog er hin, an Ostern wollte er im ersten Urlaub heim nach Ottobeuren; im sowjetischen Mogilev, etwa 400 km nördlich des damals nicht nur im Schwäbischen unbekannten Tschernobyl, gehörte der Ingenieur Willi Bielstein zu einer Gruppe, die für ihren deutschen Arbeitgeber in den nächsten zwei Jahren ein Chemiefaserwerk aufbauen sollten. Weil ihr Mann den versprochenen Urlaub an Ostern nicht bekam, flog seine Frau Hildegard zu ihm nach Weißrussland; am Dienstag, den 29. April, zwei Wochen nach ihrer Ankunft, hörten sie in der Deutschen Welle die Nachricht vom havarierten Reaktor in Tschernobyl – sowjetische Medien brachten dazu nichts, das Leben in Mogilev ging wie anderswo seinen gewohnten Gang; den Bielsteins aber war klar: Wir müssen hier weg. Hildegard konnte mit anderen Frauen und Kindern von Deutschen schnell über Wien nach Deutschland, ihr Mann erst am 2. Mai über Basel, nachdem er unterschrieben hatte, gegenüber der Sowjetunion auf Entschädigung wegen Folgen der atomaren Explosion zu verzichten, von der die Menschen in Mogilev auch nach einer Woche noch nichts wussten. Die Bielsteins trafen sich im Kernforschungszentrum Karlsruhe wieder, von wo sie nach einigen Untersuchungen tags darauf nach Ottobeuren zurück konnten. Nach Weißrussland, wo heute noch weite Landstriche verstrahlt sind, ging Willi Bielstein trotz der dringenden Bitten seiner Firma nicht mehr; er weiß, dass Kollegen, die es taten, inzwischen zum Teil an Leukämie gestorben sind.
Noch näher an der Katastrophe waren zehn Mitarbeiter von Hoechst in Bobingen; zum Zeitpunkt der Kernschmelze in Tschernobyl arbeiteten sie 150 km entfernt auf einer Baustelle, ohne etwas vom Größten anzunehmenden Unfall (GAU) in der Atomindustrie zu bemerken oder davon zu hören. Erst Anrufe aus der Heimat informierten sie darüber, Hoechst organisierte umgehend einen Rückflug und beließ fünf weitere Beschäftigte, die am 4. Mai zur Arbeit in die Ukraine sollten, in Bobingen.

Sie konnten den Heimkehrern von den vergangenen Tagen zuhause erzählen, vom letzten Samstag, 26. April, den nur noch am Alpenrand ein Föhn aufheiterte, ansonsten regnete es; man redete unter anderem über den Tod von Hermann Gmeiner, der 1955 in Dießen am Ammersee das erste SOS-Kinderdorf Deutschlands gegründet hatte und am vergangenen Samstag verstorben war. Am 29. April brachten die Medien kurze Hinweise auf ein „Unglück in einem Atomkraftwerk der ukrainischen Stadt Tschernobyl mit möglicherweise schweren Folgen“, und das Wetteramt München kündigte schöne Tage an: „Der Mai soll seinem Ruf als Wonnemonat gerecht werden und aufholen, was der April versäumte.“
Am 30. April meldeten Agenturen den GAU: Der Kern einer der vier Reaktoren in Tschernobyl sei durchgeschmolzen, „vermutlich am Samstag“, zwei Menschen dort seien tot und Behörden zufolge „bestehe für Bayerns Bevölkerung keine Gefahr“. Auch in der Augsburger Allgemeinen zu lesende Gerüchte nannten weit höhere Zahlen. Nach heutigem Wissen explodierte der Reaktor am 26. April um 1.23 Uhr; im Raum Tschernobyl starben 31 Menschen in den ersten drei Monaten, die Krebsrate bei Kindern stieg auffällig, mehr als eine halbe Million Helfer (sog. Liquidatoren) wurde invalide und die Region auf Jahrzehnte radioaktiv verseucht.
Als westliche Medien die erste knappe Meldung über die Katastrophe brachten, zog die radioaktive Wolke schon über Bayern, und ein Tief aus Italien ließ sie ihr langlebiges Cäsium 137 vor allem ins Land südlich der Donau abregnen. Gundremmingen maß am 30. April das Dreifache des mittleren natürlichen Strahlungspegels, die Schwaben standen ahnungslos radioaktiv durchnässt um ihre Maifeuer und freuten sich auf „eine milde Ostströmung unter zunehmendem Hochdruckeinfluss“. Die werde dann, wie man am 1. Mai hörte,  „in den nächsten Tagen weitere radioaktive Luft nach Süddeutschland und in die Schweiz treiben“, von Risiken aber war keine Rede. Eine Familientherapeutin aus dem Raum Obergünzburg und Mutter dreier damals kleiner Kinder erinnert sich: „Nach dem verregneten Aprilende lockte die Sonne ab dem 1. Mai die Kinder natürlich ins Freie. Ich weiß noch, wie sie im gerade wachsenden Gras und im Sandkasten spielten, und zwei Tage später hab ich dann erfahren, dass ausgerechnet Sandkästen besonders verstrahlt seien. Da war es schon passiert. Unseren Sand ließ ich untersuchen; seine radioaktive Belastung war am 10. Mai 25 mal höher als der Normalwert. Wir haben ihn dann ausgetauscht und das Beste gehofft.“

Vom 30. April an beherrschte „Tschernobyl“ einen Monat lang die vorderen Seiten der Augsburger Allgemeinen wie die Topplätze anderer Medien, erst am 29. Mai setzte sie keinen Beitrag mit Bezug zur Katastrophe in der Ukraine oder der deutschen Atomdebatte auf die Titelseite. Auf Fußballplätzen und in Bäckereien sprachen Menschen statt über Abseitsfallen und Semmeln  von Rem und Becquerel, Sievert und  Halbwertzeiten.

Seit Anfang Mai darf Frischmilch ab einem bestimmten Grad an radioaktiver Verstrahlung (Jod 131-Aktivität über 500 Becquerel) nicht mehr in den Handel kommen, die Allgäuer Bauern werden vom Tiergesundheitsdienst aufgefordert, Kühe nicht auf die Weide zu treiben und ihnen kein frisch gemähtes Gras zu füttern. Nicht alle Bauern halten sich daran, weil Silofutter mancherorts aufgebraucht ist. Und es gibt im Allgäu niemanden, der Radioaktivität in der Milch messen kann; die zuständige Milchwirtschaftliche Untersuchungs- und Versuchsanstalt in Kempten teilt mit: „Wir können nur feststellen, wenn es den Bauern reinregnet in die Milch, aber nicht, wenn es reinstrahlt.“ Proben werden deshalb ins AKW Gundremmingen geschickt,  sie enthalten neben „völlig ungefährlichen Werten“ zum Teil mehr als das Dreifache des angeblich unbedenklichen Becquerel-Wertes. Die Leute reagieren verschreckt oder vorsichtig, die Molkerei Müller (Aretsried) erklärt Milch für „unbedenklich“, aber ihr Verkauf bricht ein,  im Allgäu und bei der Augsburger Cema zum Beispiel geht er schlagartig um die Hälfte zurück – wie der Absatz von Blattgemüse beim Gemüse-Großhändler Alfred Stölzel in der Fuggerstadt, der „gewaltige Einbußen“ spürt. Hingegen sind Eier aus Legebatterien, Hühner aus Massenhaltung und Gemüse aus dem Treibhaus gefragt, am liebsten in Dosen – was draußen rumläuft und unter freiem Himmel wächst, meiden viele Kunden; so trifft die atomare Katastrophe ausgerechnet die ersten Bio-Bauern südlich der Donau am härtesten – und sie motiviert zu einer großen Demonstration in Augsburg am 10. Mai: „Tschernobyl ist überall – Ausstieg aus der Atomtechnologie“. Andere finden höheren Orts Trost: Eine schwäbische Vegetarierin beruhigt der bayerische Umweltminister Dick bei einer Telefonaktion mit dem neckischen Hinweis: „Sie fressen doch kein Gras.“ Und Bundeslandwirtschaftsminister Ignaz Kiechle aus Kempten macht für seine etwa 13.000 Allgäuer Milchbauern rund zehn Millionen Mark locker,  die der Staat noch im Juni als Entschädigung für entgangene Einnahmen ausbezahlt.
(Der Bund zahlt übrigens auch heute – 25 Jahre nach der Katastrophe – noch für deren Folgen: nach Angaben des Umweltministeriums bis Ende Juni 2010 insgesamt 238 Millionen Euro, z.  B. an Jäger, wenn sie erlegte Wildschweine wegen deren Strahlenbelastung nicht verkaufen können. )

Während die Behörden zunehmend Entwarnung geben - Bayern erlaubt z. B. Mitte Mai den Bauern die Grünfütterung wieder – , die radioaktive Wolke nach einer Erdumrundung abgeschwächt wieder über Westeuropa zieht und Roy Black in Bad Oy (Ostallgäu) am Pfingstsonntag für Unterhaltung sorgt, wächst die Besorgnis der Bevölkerung, und ihre Aktivitäten nehmen zu: Inge Aicher-Scholl und ihr Mann Otl Aicher aus Leutkirch organisieren gegen die Befürworter der AKWs eine ganzseitige Anzeige in der ZEIT vom 23. Mai. Ärzte in Schwaben warnen mit einer Kampagne in der regionalen Presse vor Spätschäden durch radioaktive Strahlen, gegen die sie „machtlos“ seien. Ortsverbände von SPD und Grünen plädieren für den Ausstieg, während die Union „unbeirrt auf Kernkraft setzt“. Die Wickert-Institute in Illereichen ermitteln, dass 68 Prozent der Bundesbürger amtlichen Angaben zu Atomgefahren  „gar nicht“ trauen.
Viele, vor allem stillende Mütter und Schwangere, wollen wissen, was zu tun sei, und werden auf Trockenmilch bzw. Milchpulver verwiesen, woraufhin ein Ansturm auf diese Produkte einsetzt. Pfadfinder sagen ihre Pfingstlager ab, Privatinitiativen messen in manchen Dörfern die Strahlung in Gullys, leeren sie mit dicken Handschuhen und entsorgen den Schlamm an schwer zugänglichen Orten, da die Behörden völlig überfordert und zu keinem Rat in der Lage sind. Beschäftigte im Atomkraftwerk (AKW) Gundremmingen rechnen mit der baldigen Stilllegung der Anlage, doch beunruhigt sie weniger die behauptete Energielücke in Deutschland als die dann reale Lücke in ihrem Geldbeutel. Manche befällt die schiere Panik: Werde ich entlassen? Kann ich meine Kredite noch bedienen? Muss ich mein Haus verkaufen? Anderen macht gerade der Weiterbetrieb des Meilers Sorgen: Am 27. Mai sprechen Ärzte im Kurtheater Bad Wörishofen zu einem verunsicherten Publikum über radioaktive Strahlung.
Ab 31. Mai bringt die Fußball-WM in Mexiko Ablenkung (an ihrem Ende ist Deutschland Vizeweltmeister nach einem 2:3 gegen Argentinien), doch verhindert sie nicht Fragen, die auch ansonsten stille Winkel beunruhigen; im Ostallgäuer Blöcktach ist bei einem Informationsabend mit einem Arzt am 12. Juni die Wirtschaft voll;  ein Plakat an der damaligen Käsküche zeigt, was die Menschen umtreibt: Sind wir akut bedroht? Welche Langzeitfolgen sind zu erwarten? Sind Atomkraftwerke sicher?  Vor Beginn der Hüttensaison macht die Strahlenangst der Wanderer den Wirten Sorgen, der Alpenverein will mit Messungen alle beruhigen. An der Memminger Hütte über dem Lechtal stellt er keine kritischen Werte fest.
Für Unmut und Nervosität bei der Stadt Kaufbeuren sorgten Plakate und Flugblätter eines Prof. Dr. Cerno Bühl, der sich als „wissenschaftlicher Berater“ der Kommune an die Öffentlichkeit wandte: „Um Ihnen Klarheit über das Ausmaß der radioaktiven Belastung Ihrer Abfälle zu verschaffen, untersuchen wir diese kostenlos.“ Man möge sie beim „Strahlenservice“ im Rathaus vorbeibringen. „Oberbürgermeister Rudolf Krause“, hieß es am 22. Mai in der Allgäuer Zeitung (AZ), „war verärgert über diese ,Machwerke‘. Der Anlass für die Aktion, die radioaktive Belastung von Grasschnitt, Sand, Gartenerde und geerntetem Gemüse, sei ,traurig genug. Dass jetzt ein paar Wirrköpfe die Kaufbeurer Bürger durch falsche Informationen irreführen wollen, finde ich geschmacklos.’“ Krause musste der AZ gegenüber dann allerdings einräumen, dass die Stadt keine Möglichkeit habe, radioaktive Abfälle zu untersuchen. Eine Woche später lässt die Leserbriefseite Sympathien für Prof. Dr. Cerno Bühl erkennen.
Knapp 50 Jahre vorher hatte andernorts die deutsche Luftwaffe Verderben von oben gebracht: Am 26. April 1937 bombardierte die Legion Condor die baskische Stadt Gernika.
© Ernst T. Mader, April 2011
Eine gekürzte Fassung erschien am 21. April 2011 in der Augsburger Allgemeinen.